bg_Home
 

2 Vorgänger der Salsa

Salsa ist eine “Sauce“ aus verschiedenen Musikstilen aus der ganzen Welt. Sie verbindet die alte Perkussion aus dem Afrika bis hin zu den neusten Musiktrends aus Nordamerika.

Wenn man an Kuba denkt, denkt man an Sonne, Zigarren und an die heissen Rhythmen der Salsa. Der Ursprung der Salsa liegt jedoch nicht in Kuba. Doch hat Kuba einen bedeutenden Teil zur Salsa beigetragen.

Der Ursprung der kubanischen Musik liegt in der Vereinigung der Sklaven aus Afrika und den Einwohnern von Kuba. Auch die Spanier und andere Europäer nahmen grossen Einfluss auf die Entwicklung. So entstanden mit der Zeit viele interessante Musikstile.

Zu den Wurzeln der Salsa-Musik zählt der Guajira, Son, Danzon und der Rumba. Diese Musikstile haben sich später zum Mambo vereint. Wobei die ursprünglichen Musikformen nicht verloren ginge, sondern sich auch weiterentwickelten. Der Son zählt heute noch zu einem sehr beliebten Musikstil und hat auch weitere Abwandlungen, wie z.B. der Son Montuno.

Viele der ausgewanderten Kubaner stiessen in Nord-Amerika auf den Jazz. So gab es verschiedene Kombinationen wie den Latin-Jazz und den Boogaloo. Unter dem Einfluss des Bomba und Plena entwickelte sich die Musik weiter bis zur Salsa.

Mit der Auflistung der folgenden Musikstile kannst du dir einen Überblick über die Vorgänger der Salsa beschaffen. Jeder Musikstil hat ein Beispiels-Stück auf der CD.

Guajira

Musikstück Nr. 3.1 auf der CD (Buena Vista Social Club – Guantanamera)

Die ursprüngliche Guajira-Musik entstand in den ländlichen kubanischen Gebieten als Bauernmusik. Sie ist eine Art Country-Musik, wie der Walzer bei uns. Der Text ist meistens traurig oder sehnsuchtsvoll oder handelt von den Schwierigkeiten des Lebens in der Armut. Der Sänger wird von einer Gitarre und einigen Percussions-Instrumenten begleitet. Später kam noch der Kontrabass hinzu. Guillermo Portabales ist einer der bekanntesten Musiker des Guajiras. Doch der grösste Hit komponierte Jose Fernandez Diaz 1963 mit “Guantanamera“. Der Text zu Guantanamera ist ein Gedicht des kubanischen Nationaldichters José Martí. Nach Martís Tod im Unabhängigkeitskampf schaffte Stück den kommerziellen Durchbruch.

Son

Musikstück Nr. 3.2 auf der CD (Pete "El Conde" Rodriguez – Pacheco y su tumabo)

Der Son entwickelte sich durch die Verschmelzung von afro- kubanischen Trommelrhythmen mit der Gitarrenmusik spanischer Farmer im ländlichen Osten der Insel. Im improvisierten Wechselspiel zwischen zwei Stimmen werden meist alltägliche Themen behandelt. Die spärliche Instrumentierung der Son-Gruppen wurde schnell immer weiter mit zusätzlichen Instrumenten (Kontrabass, Gitarre, Bongos, Trompete) ergänzt. In den 1940er Jahren weiteten sie sich zu kompletten Tanzorchestern mit Piano, Sängern und Bläsersätzen aus. Den hohen Stellenwert in der kubanischen Musikgeschichte erlangte der Son auch dadurch, dass er nach der Unabhängigkeit von Spanien unter weissen und schwarzen Musikern gleichermassen seine Anhänger fand. Nach der Revolution verlor er jedoch zunehmend an Bedeutung. Die Rassenproblematik tratt im sozialistischen Kuba in den Hintergrund. Das Land schottete sich weitgehend gegen westliche musikalische Einflüsse, wie den Jazz oder den Blues, ab. Dies erschwerte die Weiterentwicklung. Der Son verschwand im Laufe der Zeit aus Kuba weitgehend. Er wurde zur “Musik der Alten“.

Im Jahr 1996 reiste der amerikanische Musiker-Produzent Ry Cooder nach Kuba. Er knüpfte dort Kontakte zu einer Reihe von Musikern. Ein Kenner der Son-Musikszene stellte für ihn eine Gruppe von Musikern zusammen. Die meisten Musiker waren bereits über dem 70. Lebensjahr. Mit Ry Cooder als Produzenten spielte die Gruppe Musikstücke für eine CD ein und landeten einen Hit. 1999 erlebte der Son einen Boom durch die Verfilmung des Buena Vista Social Club. Auf einen Schlag wurde er besonders im Ausland populär.

Danzón

Musikstück Nr. 3.3 auf der CD (Fajardo Y Su Orquesta – Almendra)

Der europäische Einfluss auf die kubanische Musik ist am deutlichsten im Danzón zu erkennen. Englische Schiffe und französische Kolonisten brachten verschiedene Musikstile und Tanzarten in die kubanische Kultur. Ihre Wurzeln lagen in den europäischen Ballsälen. Es ergeben Verbindungen zum englischen Country Dance, zum französischen Contredanse und zum spanischen Contradanza.

Eine elegante Tanzform also, die sich von Kuba aus über ganz Lateinamerika und besonders in Mexiko ausbreitete. Der Danzón entwickelte sich in den 1870ern unter dem Einfluss afrikanischer Musiktradition. Er wird von einem typischen Orchester gespielt. Ein wichtiger Interpret des Danzóns ist Miguel Faildes. Failde fügte Elemente des französischen Contredanse hinzu. Von ihm ausgehend entwickelten Künstler wie José Urfe, Enrique Jorrín und Antonio María Romeu den Musikstil weiter.

Rumba

Musikstück Nr. 3.4 auf der CD (Tambor Urbano – El Hacha/Macizon)

Die Rumba entwickelte sich aus dem Fandango-Tanz, der aus Spanien nach Kuba kam. Die afrikanischen Sklaven haben die Clave mit eingebracht und schliesslich die Musik mit einem Grundtakt versehen. Noch heute ist die Clave einer der wichtigsten Instrumente der kubanischen Musik. Als Modetanz kam die Rumba erstmals 1914 in New York auf. Rhythmisch vereinfacht gelangte sie 1931 auch nach Europa. In Deutschland wurde sie von den Nazis schliesslich verboten. Sie wurde als Tanz der Schwarzen verflucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rumba wieder entdeckt, allerdings in zwei vollkommen unterschiedlichen Variationen: Zum einen die amerikanisch beeinflusste Rumba und zum anderen die Rumba im kubanischen Stil. Dies führte Anfang der 70er Jahre zu heftigen Diskussionen, welche Variante jetzt richtig sei. Man einigte sich schliesslich darauf, beide zu zulassen. Im internationalen Tanzsport hat sich mittlerweile der kubanische Stil durchgesetzt.

Heute wird der Begriff Rumba auch viel als Überbegriff für kubanische Musikstile wie z.B. Guaguanco oder Yambo verwendet.

Mambo

Musikstück Nr. 3.5 auf der CD (Celia Cruz – La vida es un carnaval)

Mambo bezeichnet eine Musikrichtung, die sich nach 1930 in Kuba entwickelt hat. Der Mambo ist das Ergebnis der Mischung von Son und Danzón. Den ersten echten Mambo schuf Dámaso Pérez Prado. Er benutzte dazu einige Elemente aus einem weiterentwickelten Son und fügte sie zusammen. Dadurch konnte sich der Mambo frei entfalten. Doch dieser Stil blieb nicht lange bestehen. Durch die Übersiedlung vieler Süd- und Mittelamerikaner in den USA während des Zweiten Weltkrieges, kam es sehr schnell zu einer leichten Vermischung aus kubanischen Rhythmen und dem Jazz.

Mitte der 50er Jahre erreichte der neue New Yorker Mambo auch Europa, wo er sich sehr schnell einer grossen, jedoch kurzlebigen Beliebtheit erfreute. Celia Cruz war eine der wichtigsten Interpreten des Mambos. Den Durchbruch jedoch hat er dem Titel "Rio Mambo" von Pérez Prado zu verdanken. Da Musik und Tanz rhythmisch sehr komplex und dadurch auch kompliziert sind, geriet er bald wieder in Vergessenheit. Erst in den 80er Jahren kam er wieder in Mode, nicht zuletzt durch den 1987 erschienenen Film Dirty Dancing und das dazugehörige Lied "The Time Of My Life" von Jennifer Warnes und Bill Medley.

Jazz

Musikstück Nr. 3.6 auf der CD (Maysa – Smooth Sailing)

Der Jazz ist eine Musikrichtung, die in den USA im Zusammentreffen schwarzafrikanischer und europäischer Musiktraditionen entstanden ist. Seine Wurzeln liegen zum einen im Blues und in den Gospels der schwarzen Sklavenarbeiter aus den Südstaaten der USA. Europäische Einwanderer haben ihre Musik-Kulter mit in die USA genommen und den Jazz mitgeprägt. Aus ihrer Begegnung entstanden eine Reihe neuer musikalischer Ausdrucksformen.

Der erste Jazz war eine Ensemble-Musik von Bands, die mit freien Rhythmiken arbeiteten, die Swing genannt werden. Einige Bandleader des frühen Jazz, wie Buddy Bolden, waren auch markante Musiker mit einer sehr individuellen Tonbildung. “Improvisation, Swing und eigene Tonbildung“ bezeichnete der Jazzhistoriker Joachim-Ernst Berendt als Grundelemente der Jazzmusik. Diese Elemente bestimmten von Anfang an die Geschichte des Jazz.

Latin-Jazz & Boogaloo

Musikstück Nr. 3.7 auf der CD (Sonora Carruseles – Mosaico Boogaloo)

Latin-Jazz ist ein Mix zwischen der karibischen Musik und dem Jazz aus den USA. Man hat verschiedenste Musikstile zusammen gefügt und für die grosse Masse tauglich gemacht.

Der Boogaloo hingegen ist das Resultat afroamerikanischer und afrokaribischer Musiker, die zusammen feierten und ihre Rhythmen dabei mischten. In diesem Sinne war der Boogaloo eine Fusion aus Rock and Roll, Bomba und Son. Die bekanntesten Boogaloo-Musiker waren Pete Rodriguez und José Calderón.

Es war sicherlich ein Versuch an die grosse Zeit der lateinamerikanischen Tanzmusik in den 50er Jahren anzuknüpfen und die alten Rhythmen Son, Bolero und Guaracha wieder auf die Tanzfläche zurück zu bringen. Der Boogaloo wurde, um kommerziellen Erfolg erzielen, einem amerikanischen Publikum vorgestellt, das mit lateinamerikanischen Rhythmen nicht so vertraut war. Deshalb gehörten neben dem reduzierten Rhythmus auch englischsprachige Texte. Dies war bis dahin neu. Der Boogaloo bestach vor allem durch seinen Slang und seinen einfachen Aussagegehalt.

Bomba & Plena

Musikstück Nr. 3.8 auf der CD (Ismael Rivera – Plena Elena Elena)

Neben Kuba hat auch Puerto Rico eine grosse Anzahl traditioneller Rhythmen und Tänze. In den Dörfern der afrikanischen Sklaven, die von den Spaniern auf die Zuckerplantagen verfrachtet wurden, entstand die Bomba. Es ist ein Dialog zwischen dem Trommler und dem Tänzer. Die Musik besteht hauptsächlich aus Perkussion.

Die Plena dagegen stammt von den Bewohnern des Schwarzenghettos aus dem Süden. Die typischen Instrumente für die Plena sind das Pandero und das Guiro (getrockneter und ausgehöhlter Kürbis). Über dessen geritzte Oberfläche wird ein Stock gestrichen, um den charakteristischen Raspelklang zu erzeugen. Hin und wieder kommt eine 10-saitige Gitarre dazu, die überall auf der Insel anzutreffen ist.

In den Texten sind meist soziale Kommentare zu alltäglichen Sachen. Damit übernimmt die Plena auch die Funktion eines musikalischen Nachrichtensenders und dient den Musikern zur Informations- und Meinungsverbreitung.

<< zurück        weiter >>